Kollagen, Myofibrilläre Proteine und Gelstärke in Geflügelbasierten Krainerwürsten

Von Eben van Tonder – 12. November 2025

Einleitung

Seit vielen Jahren versuche ich, Häute und Sehnen mit hohem Kollagengehalt zu verfestigen, um sie in Krainer-ähnlichen Würsten wie der südafrikanischen Russian oder der sambischen Hungarian besser nutzen zu können. Ich habe mit modifizierten Stärken, Methylcellulose, Transglutaminase, Carrageen, Natriumalginat, verschiedenen Gummen, Ballaststoffen und sogar mikronisierten Häuten experimentiert.

Nach fünf Jahren intensiver Arbeit bin ich zu den Grundlagen der Wurstherstellung zurückgekehrt. Die charakteristische Festigkeit einer guten Krainer entsteht nicht durch künstliche Hydrogele, sondern durch das natürliche Netzwerk myofibrillärer Proteine. Häute, die hauptsächlich aus Kollagen bestehen, werden nur dann fest und elastisch, wenn sie in dieses Netzwerk eingebunden sind.

Dieses Prinzip entspricht der Biologie selbst. Im tierischen Körper bilden Kollagen und myofibrilläre Proteine ein kooperatives System, das Zugspannung aufnimmt, elastische Energie speichert und die strukturelle Integrität des Gewebes aufrechterhält. Wenn wir dieses System in der Wurstmasse nachbilden, rekonstruieren wir die natürliche Architektur des Muskels. Das optimale Krainer-Rezept ist daher biologisch begründet – es imitiert die Art, wie Festigkeit und Elastizität in der Natur entstehen.

1. Zusammenspiel von Kollagen und Myofibrillären Proteinen und seine Bedeutung für die Festigkeit der Krainer

Beim Erhitzen beginnt Kollagen bei etwa 60 °C zu schrumpfen, weil sich seine dreifach gewundene Helix zusammenzieht. Ohne myofibrilläre Proteine führt diese Kontraktion zu einem weichen, porösen Gel, das Wasser abgibt.

Salzlösliche Myofibrillenproteine wie Myosin und Aktin entfalten sich und ordnen sich zwischen den Kollagenfasern an, wodurch ein elastisches, vernetztes Gerüst entsteht, das Schrumpfung verhindert und Wasser bindet. Der myofibrilläre Anteil verwandelt das ansonsten spröde Kollagengel in einen duktilen, belastbaren Verbund.

LaBudde (1995) beschreibt dieses System als Polymermodell: Das Kollagengel wirkt als Füllphase, während das Myofibrillennetzwerk die tragende Matrix bildet. Das stärkste Gel entsteht, wenn beide Phasen im richtigen Verhältnis vorhanden sind. Kollagen allein beruht auf Wasserstoffbrückenbindungen, während Myofibrillen durch hydrophobe und kovalente Bindungen thermisch stabile Vernetzungen bilden.

Die optimale Balance tritt ein, wenn Kollagen etwa 20–25 % der Gesamtproteinmenge ausmacht, was in einem System auf Basis von Hähnchen-MDM etwa 5–8 % der Gesamtmasse entspricht. Oberhalb dieser Menge dominiert die Kollagenphase, was zu Schrumpfung und gummiartiger Textur führt.

2. Optimale Einsatzmengen

Die Stärke des Gels hängt vom Anteil und der Art des Kollagens ab. Nachfolgend sind die typischen Einsatzbereiche aufgeführt:

Vor der Auflistung: Diese Werte wurden aus Versuchen mit Krainer-artigen Wurstsystemen abgeleitet, bei denen die Gelstärke und Wasserbindung mit sensorischer Textur korreliert wurden.

  • Schweinehaut (gekocht und zerkleinert)
    • Einsatzmenge: 5–8 % der Gesamtmasse
    • Funktion: Verstärkt das Protein­netzwerk, verbessert Elastizität und Kohäsion
  • Rinderhaut (gekocht und zerkleinert)
    • Einsatzmenge: 4–7 % der Gesamtmasse
    • Funktion: Führt zu festerer, leicht zäher Textur und dunklerem Farbton
  • Kombination aus Schweine- und Rinderhaut
    • Einsatzmenge: 6–9 % insgesamt
    • Funktion: Liefert das beste Gleichgewicht zwischen Struktur und Wirtschaftlichkeit

Unterhalb von 3 % ist der Festigkeitszuwachs minimal; oberhalb von 10 % dominiert die Hautphase und erzeugt beim Erhitzen Schrumpfungen oder gummiartige Texturen.

3. Vorbereitung der Schweinehaut

Um die maximale Festigkeit zu erzielen, muss die Schweinehaut richtig aufbereitet werden, damit die Kollagenstruktur intakt bleibt und sich gleichmäßig in der Masse verteilt.

  • Verwenden Sie frische oder gefrorene Schweinehaut mit einer dünnen Fettschicht. Das verbleibende Fett verbessert das Mundgefühl und die interne Schmierung.
  • 60–90 Minuten lang bei 90 °C in Wasser köcheln, bis sie weich und durchscheinend ist. Danach abtropfen lassen und auf 40–50 °C abkühlen.
  • Noch warm durch eine 3-mm-Platte wolfen. Wenn eine feinere Struktur gewünscht ist, nach dem Abkühlen auf 4 °C erneut wolfen.
  • Optional: Kurz (10–15 Sekunden) im Kutter mit 20–30 % des Gesamtwassers und 0,3 % Salz zerkleinern, um die Verteilung zu verbessern. Die Temperatur darf 12 °C nicht überschreiten. Das hier verwendete Wasser muss von der Gesamtwassermenge (30 %) abgezogen werden.
  • Dünn auf Bleche streichen und auf ≤ 4 °C abkühlen, bevor sie in die Hauptmischung eingearbeitet wird.

4. Vorbereitung der Rinderhaut

Die Rinderhaut unterscheidet sich strukturell durch dickere und stärker quervernetzte Kollagenfasern, weshalb eine intensivere Aufbereitung erforderlich ist.

  • Durch Brühen (65–70 °C, 5–6 Minuten) enthaaren und abkratzen oder alternativ in 2–3 % Ca(OH)₂ bei 20–25 °C für 12–24 Stunden einlegen. Anschließend gründlich spülen, bis der pH-Wert unter 8 liegt.
  • Im Verhältnis 3:1 (Wasser zu Haut) bei 95 °C für 3–4 Stunden kochen, bis die Haut weich und transparent ist.
  • Zuerst durch eine 6-mm-, dann durch eine 3-mm-Platte wolfen, solange sie warm (45–55 °C) ist. Temperaturen über 100 °C vermeiden, um Übergelatinisierung zu verhindern.
  • Optional: Für grobe Hautstücke 10–15 Sekunden im Kutter mit etwa 30 % des Rezeptwassers zerkleinern. Temperatur unter 12 °C halten und das Wasser von der Gesamtwassermenge abziehen.
  • Sofort auf 4 °C herunterkühlen.

5. Zugabe in die Hauptmischung

Nach der Extraktion der myofibrillären Proteine mit Salz und Phosphat werden die vorbereiteten Häute zugegeben.
Sie werden am besten mit einem Paddelmischer oder einem langsam laufenden Kutter eingearbeitet, um die Kollagenfasern nicht zu zerstören. Hohe Scherkräfte brechen die Fasern und verringern den Bindungseffekt.
Die Häute müssen kalt (≤ 4 °C) eingearbeitet werden.

6. Prozessübersicht und Schlüsselpunkte

Zur Klarheit sind die wichtigsten Schritte hier zusammengefasst. Jeder Punkt bildet einen entscheidenden Beitrag zur Gelbildung im Endprodukt.

  • Rohvorbereitung
    • Schwein: Abspülen, dünne Fettschicht belassen
    • Rind: Enthaaren oder entkalken zur Erhaltung der Kollagenqualität
  • Kochen
    • Schwein: 90 °C für 60–90 Minuten
    • Rind: 95 °C für 3–4 Stunden
  • Wolfen
    • Schwein: 3 mm warm
    • Rind: 6 mm + 3 mm warm
  • Feinschnitt (optional)
    • 10–15 Sekunden mit 20–30 % des Rezeptwassers
    • Wasser von der 30 %-Gesamtmenge abziehen
  • Kühlen
    • Auf ≤ 4 °C herunterkühlen
  • Mischen
    • Sanft im Paddelmischer oder langsam laufenden Kutter einarbeiten
  • Einsatzmenge
    • Schweinehaut: 5–8 %
    • Rinderhaut: 4–7 %
    • Kombination: 6–9 % insgesamt

7. Praktische Ergebnisse

Bei xₚₒᵣₖ ≈ 6 % oder x_bₑₑf ≈ 5 % erreichen Festigkeit und Wasserbindung nahezu das Niveau einer reinen Fleischkrainer. Schweinehaut verbessert Elastizität und Biss, Rinderhaut erhöht Festigkeit und Struktur. Eine Kombination von 3 % Schwein + 3 % Rind liefert das beste Gleichgewicht zwischen Mundgefühl und Stabilität.

Die Häute müssen kalt (< 4 °C) und schonend eingearbeitet werden, damit sich die Kollagenfasern gleichmäßig im Myofibrillennetzwerk einfügen. Das beim Zerkleinern oder Vorbereiten verwendete Wasser wird von der Gesamtwassermenge abgezogen.

8. Mechanische Grundlagen

  • Reines Kollagen kontrahiert beim Erhitzen, gibt Wasser ab und bildet Hohlräume.
  • Myofibrilläre Proteine stabilisieren durch kovalente und hydrophobe Bindungen.
  • Das Gemisch verhält sich wie ein gefülltes Polymer: Kollagen ist die Füllphase, Myofibrillen bilden die kontinuierliche Matrix.
  • Maximale Festigkeit entsteht, wenn 75–80 % der Proteinmasse myofibrillär und 20–25 % kollagen ist.
  • Übermäßiges Kollagen (>10 %) verursacht Schrumpfung und gummiartige Textur.
  • Schonendes Mischen schützt die Kollagenstruktur und erhöht die Festigkeit.

Schlussfolgerung

Eine feste Krainer aus Hähnchen-MDM und Haut entsteht nicht durch Zusatzstoffe oder Emulgatoren, sondern durch die gezielte Nachbildung der natürlichen Muskelstruktur. Kollagen und Myofibrillen müssen – wie im lebenden Organismus – zusammenwirken, um Elastizität, Kohäsion und Biss zu erzeugen.

Das Prinzip ist biologisch: Die optimale Krainer ist keine chemische, sondern eine natürliche Konstruktion – eine essbare Rekonstruktion des Muskels, geformt durch die Ingenieurskunst der Natur.

Literatur

LaBudde, R. A. (1995). Review of Comminuted and Cooked Meat Product Properties from a Sol, Gel and Polymer Viewpoint.
Smith, D. M. (1991). Factors Influencing Heat-Induced Gelation of Muscle Proteins. Interactions of Food Proteins, 454, 243–256.
Hong, G. P., Lee, S., Min, S. G. (2014). Effect of pork skin gelatin on the rheological properties of meat batters and thermal stability of emulsions. Food Science and Biotechnology, 23(4), 1075–1081. https://doi.org/10.1007/s10068-014-0148-1
Choe, J., Kim, H. Y., Kim, Y. J. et al. (2017). Effects of porcine, chicken, and bovine gelatin on quality characteristics of low-fat frankfurters. Food Science of Animal Resources, 37(3), 388–397. https://doi.org/10.5851/kosfa.2017.37.3.388