29. Juni 2024, Eben van Tonder
Einleitung
Das Stage-Gate-System, das in den 1980er Jahren von Robert G. Cooper konzipiert und in seinem 1990 in Business Horizons veröffentlichten Artikel „Stage-Gate Systems: A New Tool for Managing New Products“ vertieft wurde, stellt eine Transformation im Management der Neuproduktentwicklung (NPD) dar. Ich wurde 2018 beim neuseeländischen Schweinefleischproduzenten Hellers in das System eingeführt; David Sadler erklärte mir das System so, wie er es anwendet. In diesem Artikel überprüfe ich das System und befasse mich mit der Geschichte, der Struktur, den Vorteilen und der Entwicklung des Stage-Gate-Modells sowie der Frage, wie künstliche Intelligenz (KI) integriert werden kann, um dessen Fähigkeiten weiter zu verbessern. Am Ende des Artikels stelle ich Coopers vollständigen Beitrag unter den Referenzen zum Download bereit.
Historischer Kontext und Entwicklung
Robert G. Coopers Forschung in den späten 1970er und 1980er Jahren verdeutlichte die hohen Misserfolgsraten und Ineffizienzen in traditionellen NPD-Prozessen. Um diese Probleme anzugehen, entwickelte Cooper das Stage-Gate-System, das den Prozess in verschiedene Phasen (Stages) unterteilt, die durch Entscheidungspunkte, sogenannte Tore (Gates), getrennt sind. Jedes Gate dient als Checkpoint, an dem funktionsübergreifende Teams den Fortschritt des Projekts anhand vordefinierter Kriterien wie strategische Ausrichtung, Marktpotenzial und technische Machbarkeit bewerten. Dieser strukturierte Ansatz stellt sicher, dass nur die vielversprechendsten Projekte fortgesetzt werden, was die Ressourcenallokation optimiert und die Erfolgsquoten verbessert.
Kernphasen und Gates des Stage-Gate-Systems
Gemäß Coopers Paper von 1990 besteht der ursprüngliche Stage-Gate-Prozess aus den folgenden sechs Phasen:
- Discovery (Entdeckung): Diese erste Phase konzentriert sich auf die Generierung neuer Produktideen und das Identifizieren von Chancen. Kreativität und Brainstorming stehen im Vordergrund.
- Scoping (Abgrenzung): In dieser Phase erfolgt eine vorläufige Bewertung der technischen und marktseitigen Machbarkeit. Sie umfasst grundlegende Marktforschung sowie eine schnelle Evaluierung technischer Herausforderungen.
- Building the Business Case (Erstellung des Business Case): Diese Phase beinhaltet die Entwicklung eines soliden Business Case durch umfassende Marktforschung, detaillierte Produktdefinition, Finanzanalysen und einen Projektplan.
- Development (Entwicklung): Hier finden das eigentliche Produktdesign und die Entwicklung statt. Prototypen werden erstellt und Ingenieursleistungen erbracht, um das Konzept in ein greifbares Produkt zu verwandeln.
- Testing and Validation (Testen und Validierung): Das Produkt wird strengen Tests unterzogen, um die Leistung, den Produktionsprozess und die Marktakzeptanz zu validieren.
- Launch (Markteinführung): Die letzte Phase umfasst die vollständige Kommerzialisierung, einschließlich des Hochfahrens der Produktion und der Umsetzung von Marketingstrategien.
Evolution des Stage-Gate-Systems
Seit seiner Entstehung hat sich das System angepasst, um der Dynamik moderner Märkte gerecht zu werden. Aktuelle Iterationen bieten mehr Flexibilität:
- Adaptive und flexible Phasen: Weniger Starrheit erlaubt iteratives Arbeiten und Rapid Prototyping.
- Integriertes Risikomanagement: Ein verstärkter Fokus auf die Identifizierung von Risiken an jedem Gate.
- Funktionsübergreifende Zusammenarbeit: Eine stärkere Betonung der Kooperation zwischen F&E, Marketing und Finanzen.
- Digitale Integration: Einsatz von Software zur effizienten Steuerung des Prozesses und Datenaustausch in Echtzeit.
Vorteile des Stage-Gate-Systems
Cooper hebt 1990 mehrere entscheidende Vorteile hervor:
- Höhere Erfolgsquoten: Schwache Projekte werden frühzeitig aussortiert.
- Optimierte Ressourcenallokation: Zeit, Geld und Talent fließen in die Projekte mit dem höchsten Potenzial.
- Gesteigerte Verantwortlichkeit: Klare Rollen und Verantwortlichkeiten erhöhen die Eigenverantwortung der Teammitglieder.
- Bessere Marktausrichtung: Kontinuierliche Marktevaluierung stellt sicher, dass das Endprodukt den Kundenbedürfnissen entspricht.
Integration von KI in das Stage-Gate-System
In den letzten Monaten habe ich die Integration von KI in meine Arbeit mit einem Freund aus Kanada diskutiert. Während ich dies schreibe, bin ich erneut beeindruckt, wie KI diesen Prozess revolutionieren wird:
- Discovery & Scoping: KI-Algorithmen analysieren riesige Datensätze, um Trends und Kundenpräferenzen schneller zu identifizieren.
- Business Case: Prädiktive Analysen (Predictive Analytics) können die finanzielle Tragfähigkeit und das Marktpotenzial genauer prognostizieren als herkömmliche Methoden.
- Entwicklung: KI-gestützte Simulationen optimieren das Produktdesign und sagen die Leistung unter verschiedenen Szenarien voraus.
- Testen: KI kann Testprotokolle automatisieren und Muster oder Anomalien erkennen, die menschlichen Analysten entgehen könnten.
- Launch: KI-Tools unterstützen die Segmentierung von Zielgruppen und optimieren Werbemaßnahmen für maximale Wirkung.
Fazit
Robert G. Cooper hat mit seinem Stage-Gate-System großartige Arbeit geleistet. Er hat die Art und Weise, wie Organisationen die Produktentwicklung angehen, grundlegend verändert. Die Einbindung von KI bietet spannende Möglichkeiten, die Effektivität weiter zu steigern – durch automatisierte Analysen, tiefere Einblicke und präzisere Prognosen. Dies führt zu fundierteren Entscheidungen, verkürzten Entwicklungszeiten und höheren Erfolgsquoten, wodurch das System in einem wettbewerbsintensiven Umfeld relevanter denn je bleibt.
Referenzen
Cooper, R. G. (1990). Stage-Gate Systems: A New Tool for Managing New Products. Business Horizons, Februar 1990, 26-29. Abgerufen von ResearchGate
