Vorwort
Solch unterschiedliche Vorstellungen von Fortschritt unterscheiden nicht nur Kulturen voneinander, sondern es gibt auch in den verschiedenen Wissenschaftszweigen unterschiedliche Vorstellungen, die mit dem Begriff Fortschritt verbunden werden.
Während im Bereich der
Geschichtswissenschaften einerseits Geschichte als fortschreitend optimistisch interpretiert und zum Teil auch mit teleologischen Aspekten versehen wird, so wird andererseits auch die Vorstellung vom Rückschritt in historischen Vorgängen entwickelt. Dies ist schon anders in den Naturwissenschaften und ganz besonders im Bereich der Technikwissenschaften. Dort ist Fortschritt üblicherweise positiv konnotiert und es steht außer Frage, dass der wissenschaftliche Fortschritt vorangebracht werden muss. In den Wirtschaftswissenschaften ist der »technische Fortschritt« ein essenzielles Element der Beschreibung von Wohlstandsmehrung, doch es werden auch die sozialen und ökonomischen Folgen des Fortschritts in den Blick genommen. Dies gilt ebenso im Bereich der Politikwissenschaften, wo durchaus auch die negativen Einflüsse des technischen Fortschritts, etwa für den Arbeitsmarkt oder den Umweltschutz, diskutiert werden.
Als Ergebnis solcher Diskurse ist zum Beispiel beim Deutschen Bundestag ein Büro für Technikfolgen-Abschätzung eingerichtet worden und die Ambivalenz des Fortschrittes wird etwa deutlich im Namen des Bundestagsausschusses für »Bildung, Forschung und Technikfolgen-Abschätzung«.
Die oben genannten Aspekte sind im Rahmen einer Tagung des Instituts der Görres-Gesellschaft für Interdisziplinäre Forschung in einer Reihe von Vorträgen entfaltet worden. Dabei soll »Fortschritt« nicht nur Fortschritt in der Wissenschaft sein, sondern auch die durch die Fortentwicklung der Wissenschaft entstehenden Veränderungen in der Gesellschaft umfassen.
In einem ersten Block sollen der »Fortschritt« sowie seine Wahrnehmung und Bewertung in den verschiedenen Wissenschaftszweigen in den Blick genommen werden: Ist Fortschritt positiv? Wie kommt er im eigenen Fach und wie im Allgemeinen zustande? Welche Bedingungen fördern ihn? Und was spricht gegen ihn? Diese Fragen sollen in den folgenden Kapiteln aus der Sicht verschiedener Wissenschaftszweige behandelt werden.
Drei Beiträge aus dem Bereich der empirischen Wissenschaften und der Mathematik bilden die Basis für den Gang durch die Wissenschaftszweige, wobei die jeweiligen Spezifika der Naturwissenschaften, der Mathematik und der Ökonomie dargestellt und wissenschaftstheoretische und -philosophische Grundüberlegungen präsentiert werden:
- Fortschritte im Wissen und Fortschritt durch empirische Wissenschaften
Manfred Stöckler, Prof. em. für Theoretische Philosophie und Philosophie der Naturwissenschaften, Universität Bremen - Revolutionen in der Mathematik?
Gregor Nickel, Prof. für Philosophie der Mathematik, Universität Siegen - Fortschritt in der Ökonomie
Wim Kösters, ehem. Vorstandsmitglied des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Prof. em. für Volkswirtschaftslehre, Ruhr-Universität Bochum
Die beiden darauffolgenden Beiträge zeigen auf, dass mit dem Fortschritt in Naturwissenschaft und Medizin auch ethische und weltanschauliche Fragen berührt werden. Dies wird besonders deutlich im Beitrag aus der Medizin, der durch Fortschritte in der Gentechnik möglich werdende Therapieansätze und die dabei entstehenden ethischen Fragen aufzeigt, und in dem dann folgenden Beitrag, der die aus naturwissenschaftlichen Fortschritten entstehenden Fortentwicklungen im Bereich der Theologie behandelt: - Fortschritte in der Genomeditierung beim Menschen als normative Herausforderung
Thomas Heinemann, Prof. für Ethik, Theorie und Geschichte der Medizin, Philosophisch-Theologische Hochschule / Vinzenz Palotti University, Vallendar - Zwischen Trient und Vaticanum II. – Die Naturwissenschaft als Schrittmacher theologischer Lernprozesse?
Ulrich Lüke, Prof. em. für Systematische Theologie der RWTH Aachen
Karl Heinz Hoffmann, Nikolaus Korber
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